Neue Medien und alte Tugenden

Heute habe ich mich so richtig geärgert – und das gleich drei mal. Es ging um Termine (im privaten Bereich), um Verbindlichkeit, und schlichtweg um Höflichkeit. Oder eben fehlende Höflichkeit.

Fall 1: Vereinbart war ein Treffen heute nachmittag, das von verschiedenen Beteiligten (unter anderem uns) vorbereitet worden war, und das mit einem bestimmten Aufwand. Kurz (eine halbe Stunde) vor Termin  kam dann telefonisch die Absage „es passt nicht, wir können heute nicht kommen, bitte ein neuer Termin, möglichst morgens!“ Hallo? Bei einer geschätzten Anreisezeit von über einer Stunde kann man doch wohl ETWAS früher einschätzen, ob es nun heute „passt“ oder nicht! Die meisten Menschen – auch ich – haben an einem sonnigen Freitagnachmittag ja auch noch andere Ideen, was man so machen könnte!

Fall 2: Geplanter Termin in der nächsten Woche. Der Termin war so gewünscht, mit Aufwand wurde ein Zeitfenster freigemacht und geputzt (ich hasse Fensterputzen!) und wir hatten um Rückruf mit Terminbestätigung gebeten. Nichts. 3 Tage Funkstille. Heute haben wir dann mal nachgefragt, warum die Terminbestätigung ausbleibt und was Stand der Dinge ist: „Ach nein, es würde nun doch nicht passen, selbstverständlich wollte man sich aber noch melden, es wäre nur laufend was dazwischen gekommen…“ – Wer’s glaubt!

Fall 3: Eine eMail vor einigen Tagen, bitte dringend Rückruf. Unser Rückruf am gleichen Tag landete auf Anrufbeantworter (das ist ein deutsches Wort für „mailbox“, als Erklärung für alle diejenigen, die dieses Gerät nicht mehr kennen…) Wieder 2 Tage keine Reaktion. Heute telefonisch nachgefragt, was denn nun sei: „Nein, es wäre nicht mehr so dringend, ich mache erstmal Sommerurlaub und dann gehe ich die Sache nochmal an…“ Grrrrrr!

Ich bin mir sicher, alle drei „Fälle“ sind häufig online, haben Smartphones, nutzen WhatsApp und können diese Medien auch bedienen. Warum dann also nicht kurz eine eMail, SMS oder – natürlich viiiiiiiiiel anstrengender, weil dann ja Direktkontakt droht – ein Anruf, dass sich Pläne geändert und Prioritäten verschoben haben? Mitdenken und die Wünsche, Interessen und Zeitkontingente anderer zu bedenken ist nicht nur technisch und zeitlich möglich (ein bis zwei Minuten kann dafür jede/r erübrigen), sondern es wäre auch höflich – und fair im Sinne einer Zusammenarbeit in der Sache. Und würde diejenigen freuen, die sich dann etwas anderes vornehmen können und deren Zeit nicht mit Warten, Hinterher-Telefonieren oder unnötiger Vorbereitung vergeudet würde.

Für mich zeigt sich in diesem Verhalten auch eine Verbindung zum Trend in unserer Gesellschaft, vor allem den eigenen Nutzen zu sehen. Vielleicht stellt aber der eine oder andere später fest, dass es neben dem „ich“ auch noch ein „wir“ gibt. Und dass dann, wenn man dann doch auf andere angewiesen ist, aber keiner mehr da ist.

So, mein Ärger ist raus. Und die Sonne scheint noch und jetzt nutze ich den gewonnenen (Zeit-)Freiraum!

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