Solidarität? Not in my backyard!

Auf unserem Planeten galten schon immer verschiedene Systeme: z.B. das metrische (Meter, Zentimeter…) und das angloamerikanische System (Fuß, Meile,…). Keine Angst, über die verschiedenen Währungssysteme und deren Ein- und Austritte (das nennen wir ja jetzt gerne -exit, wie Grexit oder vielleicht auch Brixit?) will ich hier gar nichts schreiben, das mag sowieso niemand mehr hören bzw. lesen.
Aber schon seit geraumer Zeit wird auch bei „Solidarität“ mit verschiedenen Maßen gemessen, und das macht mich wirklich wütend!

Beispiel 1: Die Verteilung der Flüchtlinge in Europa. Ja, es ist schwierig, diese Menschen zu integrieren und es ist auch schwierig, das zu finanzieren. Aber dass jetzt einige europäische Staaten der EU sich gänzlich der (Um-)Verteilung verweigern oder nur „freiwillig“ eine (kleine) Quote aufnehmen wollen, hat wenig mit Solidarität zu tun. Weder mit Solidarität zu den Menschen in Not noch mit Solidarität, das Problem gemeinsam zu lösen innerhalb von Europa. Ist Europa denn ein alter Kuchen – so trocken und unappetitlich, dass man sich nur noch die Rosinen rauspicken will?

Beispiel 2: Die Lagerung des atomaren Mülls in Deutschland. Ja, das Zeug ist gefährlich, und niemand möchte das gern in der Nachbarschaft haben. Aber dass jetzt Bayern – lautstark und populistisch vertreten durch Horst Seehofer – sich grundsätzlich weigert, einen Teil seines selbst produzierten Atommülls zurückzunehmen, hat auch nichts mit Solidarität zu tun. Und Stromtrassen durch das „schöne Bayern“ möchte der Herr auch nicht. (Als wenn andere Bundesländer nicht auch schön wären!) Sind wir eigentlich noch eine „BUNDES-Republik“ im eigentlichen Sinne von „Bund“?

Bei so wenig gutem Vorbild seitens der politischen Vertreter bei uns in Deutschland und bei uns in Europa (und ich fühle mich trotz allem auch als Europäerin) ist es für mich kein Wunder, dass gemeinsame Leitbilder fehlen und wir uns in unserer Gesellschaft zunehmend nur noch „um unseren eigenen Kram“ kümmern. Und alles, was unbequem ist und uns nicht passt, wollen wir weder in unserem schönen „Bundes-„Land noch „in unserem Hinterhof“ (not in my backyard) haben.

„… not in MY backyard!“

Sich einbringen, wenn es nichts einbringt, sich engagieren für eine gute Sache, also gemeinnütziges Engagement – das wird seltener. Es ist ja auch leichter, gegen etwas zu sein (gegen Einwanderung, gegen Veränderung, gegen Windkrafträder, …), als sich FÜR eine Sache zu engagieren. Da reicht es nämlich nicht aus, auf die Strasse zu gehen oder lautstark etwas zu verhindern. Da muss angepackt und gearbeitet werden, mit Ausdauer und Überzeugungskraft und auch mit Bereitschaft zu Kompromissen.

Aber es gibt sie noch: Menschen im Ehrenamt, Menschen die etwas teilen (und nicht nur bei Facebook!). Aber oft sind sie viel leiser als die Verweigerer, Neinsager und Rosinenpicker. Ich fände es schön, wenn wir wieder mehr hinsehen und hinhören, was andere Menschen brauchen, und uns öfter einen Ruck geben und uns mehr solidarisch verhalten – auch und gerade, wenn es nichts „zum eigenen Vorteil“ bringt. „Geben ist seliger denn nehmen“, das steht schon in der Bibel. Und ich wünsche mir Politiker/innen, die uns ein gutes Beispiel dafür sind und sich einsetzen. Egoismus und Ellenbogen – das können wir nämlich schon ohne Vorbild ganz gut!

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